Mensch gegen Maschine, Folge 2

Maschinelle Übersetzung - machine translation

Vor einigen Wochen erreichte uns die folgende Email:

Sehr geehrte Damen und Herren,
Meine Frage richtet sich nicht direkt an Ihre Übersetzer-Kompetenz in obigen Sprachen,
sondern an Fragen der Kommunikationshilfe.
1. Person: Muttersprache Deutsch, keine Russischkenntnisse
2. Person: Muttersprache Russisch, keine Deutschkenntnisse
Kommunikationssprache: Englisch, beiderseits mäßige Kenntnisse.
Erwünscht ist anspruchsvolle Kommunikation.
Kennen Sie Geräte-Übersetzer (z.B. Franklin) mit guten Eigenschaften?
Über eine Antwort würde sich freuen…

Normalerweise zögere ich etwa, auf Anfragen zu reagieren, die sich an anonyme „Damen und Herren“ gerichtet sind oder mit einem freundlichen Hallo oder Guten Tag gleich Dutzende andere, manchmal sogar unter CC in einer alphabetischen Reihe offen aufgeführte Empfänger begrüßen. Nebenbei bemerkt, werden solche Rundschreiben in letzter Zeit immer mehr. Je höher man bei Google-Treffern platziert wird, desto häufiger wird man mit „Damen und Herren“ oder „Guten Tag“ angesprochen. Eine singuläre Erscheinung stellte bis jetzt nur ein britischer Kunde dar. Dieser, höflich wie die Briten sind, bat um „apologies für the mass email format“. Das ist, allerdings, tatsächlich nur nebenbei bemerkt.

Bei der obigen Anfrage war mein Zögern aber inhaltlich begründet. Die Anfrage musste ich nochmals lesen. Erst danach leuchtete mir ein, dass der „Geräte-Übersetzer“ eigentlich eher umgekehrt, als „Übersetzungs-Gerät“, zu interpretieren ist. Kein Übersetzer von Bedienungsanleitungen, Spezifikationen und sonstigen technischen Dokumentationen, sondern ein elektronisches Wörterbuch, mit erweiterter Funktionalität zur „Förderung anspruchsvoller Kommunikation“. Ein kurzer Blick auf die Website von Franklin Electronic Publishers bestätigte die Vermutung.

Es mehren sich also die Zeichen, dass der Übersetzer und Dolmetscher, der Mensch in unserem Metier („In der Mitte steht der Mensch“?), immer mehr gegen die Maschine antreten muss. Auch Google Übersetzer war schon mal das Thema dieses Blogs. Es genügt nicht, sich nur mit Software (CAT-Tools, Translation Memories, was auch immer) auseinanderzusetzen, auch Hardware ist gefragt. Zumindest was diese spezielle Anfrage angeht.

Ehrlich gesagt, auf die Anfrage habe ich nicht reagiert, sieht man von dieser verspäteten und womöglich nicht ganz adäquaten Reaktion ab. Haben denn die anderen Kollegen auf die Email geantwortet? Und wie? Würde mich schon interessieren…

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